Starke Kommunen, lebendige Demokratie und aktives Ehrenamt
In meinem Blog schreibe ich als Bürgermeister über demokratische Verantwortung, kommunalpolitische Entwicklungen und die Bedeutung des Ehrenamts – mit Blick auf unsere Gemeinde und darüber hinaus.
Viele Fragen, die uns vor Ort beschäftigen, stellen sich auch anderen Kommunen in Schleswig-Holstein und ganz Deutschland:
Wie stärken wir Beteiligung? Wie treffen wir tragfähige Entscheidungen? Und wie sichern wir eine lebendige Demokratie im Alltag?
Mein Ziel ist es, politische Prozesse verständlich einzuordnen, Hintergründe transparent zu machen und den Austausch über die Zukunft unserer Kommunen zu fördern.
Ich habe eine Partei wie die AfD von innen gesehen.
Die Broschüre "Abstieg für Deutschland" hat mich trotzdem überrascht.
22. Mai 2026
Kategorie: Demokratie stärken
Ich war Polizist. Und in dieser Zeit war ich Personenschützer — auch für Politiker, die ich persönlich niemals gewählt hätte. Das gehört zum Job. Du schützt nicht die Meinung, du schützt den Menschen.
Unter denen, die wir begleitet haben, waren auch Leute, die politisch das Gegenteil von dem vertreten haben, wofür ich stehe. Populisten, die mit Angst arbeiteten. Die auf der Bühne polterten und hinter den Kulissen ganz anders waren. Man lernt dabei eine Menge — nicht über ihre Politik, sondern über das Handwerk dahinter. Über die Inszenierung. Über die Lücke zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was gemeint ist.
Seitdem bin ich vorsichtig mit dem Satz: "So schlimm werden die schon nicht sein."
Die CDU hat vergangene Woche eine Broschüre über die AfD veröffentlicht: "Abstieg für Deutschland. Keine Alternative." Ich hab sie gelesen.
Alle 36 Seiten.
Ich sage das so deutlich, weil ich weiß: Viele lesen solche Dokumente nicht. Man kennt die Überschriften, man hat eine Meinung — und das war's. Das ist menschlich. Aber bei diesem Thema lohnt sich der genaue Blick.
Was die Broschüre dokumentiert, ist kein politischer Angriff einer Partei auf die andere. Es ist eine nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was Gerichte bestätigt haben, und was AfD-Funktionäre selbst gesagt und geschrieben haben. Originalzitate, Urteile, Zahlen.
Drei Dinge sind mir hängen geblieben:
Erstens: Björn Höcke hat das Berliner Holocaust-Mahnmal öffentlich ein "Denkmal der Schande" genannt — als Schande für Deutschland. Kein Ausrutscher, kein Missverständnis. Das zieht sich durch die Partei. Und es macht deutlich, wo die Grenzen des Sagbaren in dieser Partei liegen: nirgends.
Zweitens: Sie haben einen Plan. Und der ist konkret. Martin Sellner hat ihn auf dem Potsdamer Treffen skizziert: Remigration — massenhafte Vertreibung von Millionen Menschen, darunter deutsche Staatsbürger. AfD-Abgeordnete Lena Kotré hat ihn in eine Zahl gegossen: Deutschland brauche eigentlich nur 60 Millionen Einwohner. Wir haben 84. Das Wort "Remigration" klingt nach Verwaltungsakt. Dahinter steckt eine Lücke von 24 Millionen Menschen.
Drittens: Die AfD lehnt parlamentarische Kompromisse grundsätzlich ab — nicht weil sie inhaltlich nicht einig wird, sondern weil Kompromisse dem System Legitimität geben würden, das sie zerstören wollen. Das ist kein frustrierter Protest. Das ist Sabotage als Strategie. Wer die AfD wählt, um "die da oben" unter Druck zu setzen, wählt eine Partei, die gar nicht vorhat, irgendetwas zu gestalten.
Hier in Wakendorf II wohnen Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Menschen, die schon immer hier waren. Menschen, die irgendwann hierher gezogen sind. Und ja, auch Menschen, die die AfD wählen — aus Frust, aus Überzeugung, oder aus dem Gefühl, nicht mehr gehört zu werden.
Ich verstehe den Frust. Ich teile ihn manchmal sogar.
Aber Frust rechtfertigt keine Wahl für eine Partei, die — das ist keine Meinung, das sind belegte Fakten — das Holocaust-Mahnmal als Schande bezeichnet, offen über die Vertreibung von Dutzenden Millionen Menschen redet, und Richter und Staatsanwälte bedroht, die gegen sie ermitteln. Als jemand, der in der Strafverfolgung gearbeitet hat, ist dieser letzte Punkt für mich besonders schwer erträglich: Eine Partei, die den Rechtsstaat als Feind behandelt, will keine bessere Politik. Sie will kein Korrektiv. Sie will keine Kontrolle.
Die CDU hat diese Broschüre gemacht. Man kann über viele Punkte der CDU streiten. Ich tue das gerne. Aber hier haben sie etwas Richtiges getan: Sie haben dokumentiert, aufgeschrieben, belegt. Nicht als Wahlkampfflyer, sondern als Grundlage für eine informierte Entscheidung.
Lest sie. Bildet euch eine Meinung. Redet mit euren Nachbarn darüber.
Demokratie lebt nicht vom Schweigen, sondern vom Gespräch — auch über die unbequemen Teile.
→ Die Broschüre gibt's kostenlos auf cdu.de
Vertrauen entsteht vor Ort
Warum der Staat nur dann stark ist, wenn Kommunen wirklich entscheiden können
11. Mai 2026
Kategorie: Bürokratie in Deutschland
Ich starte die Woche mit einer Tasse Kaffee, einem leicht verregneten Morgen und der Frage: Warum hört man immer häufiger davon, dass Menschen ihr Vertrauen in den Staat verloren haben?
Dabei stelle ich fest: Vertrauen in staatliches Handeln entsteht nicht durch Kommunikation. Und es verschwindet auch nicht, weil Menschen sich weniger für Politik und das Geschehen vor Ort interessieren.
Vielmehr entsteht Vertrauen dort, wo Entscheidungen nachvollziehbar sind – und es erodiert dort, wo bürokratische Prozesse und Absicherungen wichtiger werden als Lösungen.
Gerade auf kommunaler Ebene wird das sehr konkret sichtbar. Als ehrenamtlicher Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in Schleswig-Holstein erlebe ich regelmäßig, wie hoch die Erwartungen an staatliches Handeln sind – und wie eng gleichzeitig die tatsächlichen Handlungsspielräume geworden sind.
Selbst überschaubare Vorhaben werden heute durch eine Vielzahl von Prüf- und Abwägungslogiken überlagert: Lärmschutz, Lichtemissionen, Förderkulissen, Stellplatznachweise, mehrstufige Genehmigungen.
Das ist selten Ausdruck von Verweigerung. Es ist das Ergebnis eines Systems, das auf maximale Absicherung optimiert ist.
Die Folge ist ein strukturelles Paradox: Je klarer ein Problem vor Ort ist, desto komplexer wird seine Lösung.
Ein Beispiel aus dem Alltag:
Eine Gehwegfläche ist beschädigt, verursacht durch eine geschädigte Eiche, die an diesem Ort nie hätte gepflanzt werden dürfen. Ursache und Handlungsbedarf sind eindeutig.
Trotzdem entsteht ein langwieriger Abstimmungsprozess – geprägt von Zuständigkeiten, Schutzregimen und Prüfketten sowie Kosten, die in keinem Verhältnis mehr zum eigentlichen Problem stehen.
Nicht die Menschen in der Verwaltung sind das Problem. Im Gegenteil: Ich erlebe viele engagierte Mitarbeitende, die pragmatische Lösungen suchen.
Das Problem ist die Struktur, in der sie arbeiten.
Diese Strukturverschiebung bleibt nicht folgenlos. Kommunale Ebenen tragen Verantwortung für Umsetzung, haben aber selten die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Und genau hier beginnt ein schleichender Vertrauensverlust. Denn Vertrauen entsteht nicht durch Programme oder Zuständigkeiten. Es entsteht durch die Erfahrung, dass Entscheidungen wirksam und nachvollziehbar getroffen werden.
Wenn dieser Zusammenhang verloren geht, verändert sich auch die politische Wahrnehmung. Menschen ziehen sich nicht zwingend zurück. Sie bleiben interessiert, beobachten genau – aber sie erleben Politik zunehmend als etwas, das über sie hinweg organisiert wird.
Gleichzeitig zeigt die kommunale Realität ein anderes Bild. Unsere Gemeinden funktionieren in vielen Bereichen gerade deshalb, weil Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Ehrenamtliche in Vereinen, in der Feuerwehr oder in Bürgerinitiativen halten den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Alltag stabil.
Das Entscheidende ist dabei nicht die Größe des Beitrags, sondern seine Wirkung.
Trotz aller strukturellen Herausforderungen bleibe ich deshalb bei einem grundsätzlich optimistischen Befund: Der Wille zur Mitwirkung ist da – wenn man ihn zulässt.
Kommunen sind dabei mehr als Verwaltungseinheiten. Sie sind der Ort, an dem Vertrauen nicht erklärt werden muss, sondern entstehen kann. Weil Entscheidungen dort sichtbar werden, wo sie wirken. Und weil Beteiligung konkret bleibt.
Vielleicht liegt genau darin eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre:
Vertrauen nicht zu fordern, sondern wieder herstellbar zu machen.
Durch mehr Entscheidungsspielräume vor Ort. Durch mehr strukturelle Einfachheit. Und durch ein System, das nicht nur absichert, sondern ermöglicht.
Denn der entscheidende Punkt ist ein anderer:
Wir müssen Menschen und Kommunen vor Ort wieder mehr zutrauen.
Nicht als symbolische Beteiligung, sondern als echte Verantwortung.
Nicht als verlängerten Arm von Entscheidungen, sondern als Ort eigener Entscheidungen. Denn die Probleme sind längst sichtbar – und die Lösungen oft auch.
Was fehlt, ist nicht Wissen vor Ort. Was fehlt, ist die Bereitschaft, dieses Wissen auch entscheiden zu lassen.
Demokratie gewinnt nicht durch mehr Ebenen der Absicherung. Sie gewinnt dort, wo Verantwortung wieder dort liegt, wo die Realität ist.
Und vielleicht beginnt Vertrauen genau hier: Im Zutrauen in die Menschen, die ihn konkret gestalten...
Klartext: Wir haben kein Einnahmenproblem
29. März 2026
Kategorie: Bürokratie in Deutschland
Es ist Ende der Woche, und auf meinem Tisch liegt die Rückmeldung der Kommunalaufsicht zum Haushalt 2026. Der Befund ist eindeutig:
Für die Jahre 2025 bis 2029 werden "erhebliche, teils sehr hohe Jahresfehlbeträge erwartet...die dauernde Leistungsfähigkeit der Gemeinde ist gefährdet."
Das ist keine abstrakte Haushaltsgröße. Das ist kommunale Realität.
Die Ursachen kennen wir sehr genau:
Steigende Umlagen für Amt und Kreis, wachsende Kosten für Schule und Kindergarten sowie laufende Pflichtaufgaben, auf die wir vor Ort nur begrenzten Einfluss haben.
Und sogleich folgt der Reflex von Politik und Verwaltung, Steuern zu erhöhen oder zusätzliche Einnahmen zu generieren, um die öffentlichen Haushalte zu stabilisieren.
Das klingt zunächst plausibel. Wenn die Mittel nicht reichen, muss man die Einnahmen erhöhen. Aber genau hier lohnt sich ein genauerer Blick.
Denn die entscheidende Frage ist nicht nur, wie viel Geld wir einnehmen – sondern wie wir mit dem vorhandenen Geld umgehen.
Viel Geld im System – aber nicht automatisch gute Ergebnisse
Ein Blick auf zentrale Politikfelder zeigt jedoch ein wiederkehrendes Muster: hohe Ausgaben, aber nur durchschnittliche Ergebnisse.
Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Gesundheitsausgaben weltweit. 2022 lagen diese bei rund 12,7 % des Bruttoinlandsprodukts und damit deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Industriestaaten (OECD). Gleichzeitig liegt die Lebenserwartung mit rund 81 Jahren im europäischen Mittelfeld – Länder wie Spanien oder Italien erzielen bessere Werte bei geringeren oder vergleichbaren Ausgaben.
Das bedeutet:
Der finanzielle Input ist hoch, der messbare Output aber nicht entsprechend besser.
Bildung: Aktuelle Daten zeigen das gleiche Bild
Auch im Bildungsbereich bestätigt sich dieses Muster. Die aktuellste große Vergleichsstudie ist die TIMSS-Studie 2023 (veröffentlicht 2024), die zeigt:
Deutschland liegt bei Grundschülern in Mathematik und Naturwissenschaften im internationalen Mittelfeld. Gleichzeitig liegen die Bildungsausgaben pro Schüler laut OECD (Education at a Glance 2025) im Schnitt bei rund 17.960 USD (kaufkraftbereinigt). Das liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt von etwa 15.023 USD pro Schüler. Trotz dieser überdurchschnittlichen Ausgaben bleibt die Leistung im internationalen Vergleich also gerade einmal stabil im Mittelfeld.
Oder anders formuliert:
Wir investieren überdurchschnittlich – erreichen aber nur durchschnittliche Resultate.
Bürokratie als struktureller Kostentreiber
Laut dem ifo Institut verursacht Bürokratie in Deutschland jährlich bis zu 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung (2024). Das sind keine abstrakten Zahlen, sondern reale Belastungen durch Prozesse, die Zeit und Personal binden und die ich als Bürgermeister fast täglich vor Ort erlebe.
Ein wesentlicher Teil der Steuereinnahmen wird also im System gebunden – durch komplexe Strukturen, Verwaltungsaufwand und fehlende digitale Prozesse.
Auch das Statistische Bundesamt stellt beim "Erfüllungsaufwand" – also die Kosten und den Zeitaufwand, der durch gesetzliche Informations-, Dokumentations- und Nachweispflichten entsteht - fest: Der bürokratische Aufwand ist in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern gestiegen. Zwischen 2018 und 2024 sind die Bürokratiekosten deutlich angewachsen – auf zuletzt rund 66,6 Milliarden Euro jährlich.
Das bedeutet:
Ein wachsender Teil öffentlicher und wirtschaftlicher Ressourcen fließt nicht in Leistungen, sondern in Verwaltung und Systemabwicklung.
Die eigentliche Frage der aktuellen Politik
Vor diesem Hintergrund greift die aktuelle politische Debatte zu kurz, wenn sie sich vor allem auf höhere Steuern und zusätzliche Einnahmen konzentriert. Denn höhere Einnahmen lösen kein strukturelles Problem, wenn gleichzeitig die Kosten im System weiter steigen.
Was jetzt entscheidend wäre
Wenn wir kommunale Haushalte und staatliche Strukturen langfristig stabilisieren wollen, müssen wir an die Ursachen ran – nicht nur an die Einnahmenseite.
Zwei Hebel stehen dabei im Mittelpunkt:
Erstens: Digitalisierung
Verwaltungsprozesse müssen konsequent digitalisiert werden. Daten sollten nur einmal erfasst und systemübergreifend genutzt werden.
Zweitens: Entbürokratisierung
Vorschriften müssen überprüft, Zuständigkeiten klarer geregelt und Verfahren vereinfacht werden. Heute wird in vielen Bereichen mehr dokumentiert als entschieden. Das bindet Ressourcen – ohne zusätzlichen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger.
Fazit
Die finanzielle Lage der Kommunen ist ernst. Das zeigt die Rückmeldung der Kommunalaufsicht für unsere Gemeinde deutlich und ist bei den Nachbargemeinden nicht anders.
Aber die Antwort darauf DARF nicht eine Erhöhung der Einnahmen sein. Denn solange strukturelle Ineffizienzen bestehen, wird zusätzliches Geld nur teilweise bei den Menschen ankommen, für die es gedacht ist.
Als Bürgermeister wünsche ich mir und uns, dass wir den Mut haben, nicht nur über mehr Geld zu sprechen – sondern endlich über bessere Strukturen...
Warum wir Social Media Platformen ändern müssen (statt sie abzusperren)
15. März 2026
Kategorie: Digitale Demokratie
Es ist Sonntagabend, die Familie entspannt und eine spannende Woche steht bevor. Während ich hier sitze, frage ich mich: Müssen wir unsere Jugendlichen vor Social Media schützen – oder die Plattformbetreiber vor ihren eigenen engagement-optimierten Geschäftsmodellen?
Ich komme immer mehr zu dem Schluss: Ein Verbot poliert nur die Oberfläche, während der Motor eigentlich einen Totalschaden hat.
Das digitale Dorf-Dilemma
Ich sage es Ihnen ganz offen: Während ich diesen Blog schreibe, sitze ich selbst in der Zwickmühle. Mein Bauchgefühl als Sicherheitsmanager schreit: „Sperrt den Zugang für 14-Jährige! Der Schutz der Psyche geht vor.“ Doch als Bürgermeister sehe ich die Realität in unserem Dorf, im Kreis Segeberg und im ganzen Bundesland: Social Media ist heute unsere zentrale soziale Infrastruktur. Wer nicht dabei ist, steht im digitalen Abseits.
Ein Verbot mag zwar wie ein Schutzraum wirken, wird aber das strukturelle Problem nicht lösen.
Kaputtes Auto, falsche Lösung
Stellen Sie sich vor, wir würden Autos ohne Bremsen und Airbags bauen. Würden wir dann den 18-Jährigen das Fahren verbieten? Nein, wir würden die Hersteller zwingen, sichere Fahrzeuge zu konstruieren. Doch im Netz machen wir es genau umgekehrt: Wir lassen „unfallträchtige“ Apps auf den Markt und schieben die Verantwortung auf Eltern und Kinder ab. Wir kurieren am Symptom, statt das Systemdesign in die Pflicht zu nehmen.
Das Geschäftsmodell der Sucht
Die großen Plattformen optimieren auf eine einzige Kennzahl: Ihre Zeit. Um das Engagement zu maximieren, nutzen sie Mechanismen, die tief in unsere Neurobiologie eingreifen:
Infinite Scroll: Ein bodenloses Fass, das dem Gehirn den natürlichen Ausstiegspunkt raubt.
Algorithmische Selektion: Gezeigt wird nicht, was objektiv relevant ist, sondern was durch emotionale Trigger maximale Interaktion erzwingt.
Variable Belohnung: Die Jagd nach Likes funktioniert wie ein digitaler Spielautomat – sie aktiviert dopaminerge Prozesse, die besonders bei Jugendlichen zur Abhängigkeit führen können.
Was jetzt passieren muss: Safety by Design
Auch wenn eine digitale Mauer erst einmal als einfache Lösung erscheint, brauchen wir eine klare Regulierung der Plattform-Architektur. In meinem Positionspapier fordere ich eine Verschiebung der Verantwortung vom Nutzer hin zum Design:
Chronologische Feeds als Standard: Wir müssen wieder entscheiden, was wir sehen – nicht ein intransparenter Algorithmus.
Stopp-Punkte statt Endlos-Scroll: Verbindliche Nutzungspausen müssen direkt im Interface verankert werden.
Algorithmische Transparenz: Wir brauchen unabhängige Audits der Ranking-Kriterien.
Fazit
Bildung und Medienkompetenz in unseren Schulen sind wichtig, aber sie dürfen kein Feigenblatt für mangelnde Regulierung sein. Wir müssen die Verantwortung von den Endnutzern zurück zu den Konzernen schieben.
Was meinen Sie: Brauchen wir den harten Cut per Gesetz oder müssen wir die digitale Straße endlich verkehrssicher machen?
Schreiben Sie mir Ihre Meinung – ich freue mich auf den Austausch!
Klartext ja – Beleidigungen nein
13. Februar 2026
Kategorie: Demokratie stärken
Es ist Freitag, das Wochenende steht vor der Tür, und ich nutze den Moment, um auf die Woche zurückzuschauen. Dabei fällt mir ein Thema wieder ein:
Meinungsäußerung.
Wie viel Kritik ist erlaubt? Wo endet die Diskussion – und wo beginnt die Beleidigung?
Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde erlebe ich täglich, wie lebendig Demokratie sein kann. Ob beim Gespräch über neue Baugebiete, beim Ehrenamt in der Feuerwehr oder bei Festen im Dorf – es wird gestritten, diskutiert, manchmal hitzig. Das ist gut so, das ist Demokratie. Aber es gibt Grenzen – und die hat im letzten Sommer auch das Bundesverfassungsgericht wieder klar gezogen hat (Beschl. 09.06.2025, Az. 1 BvR 2721/24).
Kritik vs. Beleidigung – ein klarer Unterschied
Der Hintergrund: Ein YouTuber beleidigte Politikerinnen in seinen Videos auf das Übelste – von der „aufgeblasenen Dampfnudel“ bis zur „kleinen F…“.
Er nannte das Satire. Das Gericht sagt: Nein, das ist schlicht Beleidigung. Kritik ist erlaubt, polemische Kommentare sind erlaubt, aber die Würde anderer bleibt unantastbar.
In einem Interview bei NTV äußerte Wolfgang Kubicki sinngemäß, dass man Beleidigungen wie „Schwachkopf“ gegen Politiker hinnehmen müsse und dass die gesellschaftliche Empfindsamkeit zugenommen habe.
Ich sehe das anders: Kritik ist wichtig, Beleidigungen sind es nicht. Respekt ist keine Option, sondern Grundvoraussetzung für funktionierende Demokratie, Ehrenamt und politische Debatten. Wer sein Gegenüber beleidigt, zerstört den Dialog – und damit die Basis unserer Bürgergesellschaft.
Mein Video auf Instagram findet man übrigens 👉hier...
Demokratie im Alltag leben
Auch hier bei uns im Dorf wird gestritten – über neue Baugebiete, über die Feuerwehr, über Feste, manchmal sogar über Bäume am Straßenrand. Das gehört dazu, und das macht Demokratie lebendig.
Aber: Wir schauen uns trotzdem am nächsten Tag beim Bäcker oder auf dem Fußballplatz wieder in die Augen. Dafür braucht es Respekt und Anstand.
Man kann klar sagen, was man denkt – und dennoch respektvoll bleiben. Klartext geht, ohne unter die Gürtellinie zu rutschen. Norddeutsch gesagt: Klare Kante – aber bitte ohne Schiet.
Ehrenamtliche Verantwortung und Respekt
Besonders im Ehrenamt zeigt sich, wie wertvoll respektvolle Kommunikation ist. Ob in Vereinen, im Rathaus oder bei der Organisation von Dorfveranstaltungen: Wer andere beleidigt oder herabsetzt, untergräbt nicht nur das Vertrauen, sondern auch das Engagement, das unsere Gemeinschaft stark macht.
Deshalb appelliere ich an alle, die in der Politik, im Ehrenamt oder einfach in unserer Bürgergesellschaft aktiv sind: Kritik ja, Beleidigungen nein. Wer das Grundprinzip des Respekts verinnerlicht, trägt dazu bei, dass wir gemeinsam Lösungen finden – und dass Meinungsfreiheit tatsächlich lebendig bleibt.
Mein Fazit zum Ende der Woche
Streit und Diskussionen machen Demokratie lebendig. Beleidigungen machen sie kaputt. Lieber ein ehrliches „Moin“ beim Bäcker als ein billiger Spruch auf Social Media.
Wir brauchen mehr offene, respektvolle Gespräche. Gerade in Zeiten, in denen politische Debatten oft emotional aufgeladen sind, sollte klar sein: Man kann seine Meinung äußern – ohne jemanden zu beleidigen. Das ist keine komplizierte Aufgabe, sondern ein Grundprinzip jeder funktionierenden Demokratie und jeder aktiven Bürgergesellschaft.
Ich wünsche uns allen einen respektvollen Start ins Wochenende!
Wenn Nähe wichtiger ist als Wahrheit
30. Januar 2026
Kategorie: Demokratie stärken
Vor einigen Tagen haben wir zu Hause ein neues Bücherregal aufgebaut – und dabei fiel mir wieder das Buch THE TRUTHS WE HOLD von Kamala Harris in die Hände. Ich hatte es bei meinem Besuch in Washington im Sommer 2024 gekauft.
Was mich damals faszinierte, war, wie wenig Begeisterung Kamala bei meinen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern auslöste. Schon damals beschlich mich das Gefühl: Vielleicht müssen wir mit einer zweiten Amtszeit Trumps rechnen. Und gleichzeitig fragte ich mich:
Warum wählen die Menschen Donald Trump – obwohl sie genau wissen, wer er ist?
Man könnte meinen, die Wahl sei eindeutig gewesen. Auf der einen Seite Kamala Harris: Tochter einer Einwanderin, aufgewachsen bei einer alleinerziehenden Mutter, juristische Ausbildung, Staatsanwältin, Senatorin, Vizepräsidentin. Ein Lebenslauf, der Leistung, Aufstieg und institutionelle Erfahrung vereint. Nichts geschenkt bekommen, vieles erarbeitet.
Auf der anderen Seite Donald Trump: geboren in ein wohlhabendes Elternhaus, ein beträchtliches Vermögen geerbt, mehrere gescheiterte Geschäftsmodelle, darunter Casinos, strafrechtliche Verurteilungen. Ein Lebenslauf, der eher Fragen aufwirft als Vertrauen schafft.
Und doch haben Millionen Menschen Donald Trump gewählt.
Nicht aus Versehen. Nicht aus Unwissen. Sondern bewusst.
Die gängige Erklärung lautet oft: Desinformation, Protest, Irrationalität.
Das mag eine Rolle spielen. Reicht aber nicht aus.
Denn Politik funktioniert nicht wie ein Bewerbungsverfahren.
Lebensläufe entscheiden regelmäßig keine Wahlen. Meine Theorie:
Wahlen werden nicht gewonnen, weil jemand objektiv geeignet ist.
Sondern weil jemand subjektiv anschlussfähig ist.
Donald Trump ist für viele Wähler weniger Politiker als Projektionsfläche.
Für Frust. Für Wut. Für das Gefühl, nicht gehört zu werden. Er spricht nicht geschniegelt, nicht präzise, nicht abwägend. Er spricht einfach. Für mich viel zu oft zu einfach, zu beleidigend und zu weit weg von den Fakten. Aber verständlich.
Kamala Harris steht – unabhängig von ihrer tatsächlichen Person – für Institutionen, für Ordnung, für das politische System. Für viele ist das Stabilität. Für andere ist es genau das, was sie ablehnen. Nicht, weil sie gegen Demokratie sind, sondern weil sie sich in ihr nicht mehr wiederfinden.
„Menschen wählen Menschen.“
Das ist keine Floskel, sondern eine politische Realität.
Menschen suchen in der Politik keine perfekten Lebensläufe.
Sie suchen Nähe.
Anknüpfungspunkte.
Das Gefühl, gesehen zu werden.
Nähe schlägt Kompetenz.
Gefühl schlägt Fakten.
Das erklärt auch, warum Skandale Donald Trump oft nicht schaden. Seine Widersprüche, seine Übertreibungen, seine offensichtlichen Fehler machen ihn für viele nicht unglaubwürdig, sondern menschlich. Er wirkt nicht wie jemand, der alles richtig macht – sondern wie jemand, der genauso unperfekt ist wie alle anderen auch.
Donald Trump wird nicht trotz seiner Brüche gewählt.
Er wird wegen seiner Brüche gewählt.
Das ist unbequem. Aber es ist real.
Wer das nicht akzeptiert, wird weiterhin überrascht sein von Wahlergebnissen – und gleichzeitig keinen Zugang zu den Menschen finden, die diese Ergebnisse herbeiführen.
Wenn Nähe für viele Menschen wichtiger ist als Wahrheit – wie muss demokratische Politik dann sprechen?
Ich wünsche uns Demokratinnen und Demokraten die Fähigkeit, dafür eine Sprache zu finden. Und uns allen einen kraftvollen Start ins Wochenende.
Zeit zu springen: Warum uns das Sicherheitsnetz stranguliert
Zwischen Bürokratie, Mut und Machbarkeit zeigt sich: Unser Land hat die Kraft zur Veränderung, nutzt sie aber zu selten. Ein Plädoyer für mehr norddeutsche Macher-Mentalität.
7. Dezember 2025
Kategorie: Bürokratie in Deutschland
Guten Morgen aus Schleswig-Holstein!
Ich bin gerade von der morgendlichen Hunderunde zurück, der Kaffee steht vor mir – und auf meinem Schreibtisch liegt der Essay von Julia Jäkel, den die Süddeutsche Zeitung am vergangenen Wochenende abgedruckt hat.
Eine präzise Analyse darüber, warum Reformprozesse in Deutschland so schwerfällig sind, welche Hemmnisse uns blockieren – und wie diese ganz praktisch überwunden werden könnten.
Die Diagnose: Wir verwalten den Stillstand
In meinem Alltag als Bürgermeister in Wakendorf II erlebe ich es täglich: Wir haben in Deutschland für jedes Problem eine Verordnung, aber für kaum eine Lösung eine Abkürzung. Wir bauen Sicherheitsnetze über Sicherheitsnetze, bis wir uns darin so verheddert haben, dass niemand mehr den ersten Schritt wagt.
Besonders in der Kommunalpolitik spüren wir das: Ob es um den Ausbau von Radwegen oder die Digitalisierung der Verwaltung geht – der Prozess frisst oft die Energie der Idee.
„Wir haben die Kraft zur Veränderung, aber wir nutzen sie zu selten, weil wir Angst vor dem ersten, ungeplanten Schritt haben.“
Während wir sortieren, baut man anderswo schon die Zukunft
Als internationaler Sicherheitsmanager sehe ich, wie schlank Reformen laufen können:
- Entscheidungen in Tagen, nicht Monaten.
- Digitale Services, die funktionieren – statt Menschen zum Amt zu schicken.
- Eine Kultur, die Neues ausprobiert, auch wenn nicht alles perfekt ist.
Dann komme ich zurück nach Hause – in ein Land, in dem eine Baugenehmigung länger dauern kann als ein Großprojekt in Singapur. Nicht, weil wir nicht wollen.
Sondern weil wir Veränderung oft verwalten, statt sie zu gestalten.
Der Blick über den Tellerrand: Was wir vom Ehrenamt lernen können
Warum funktioniert es im Ehrenamt oft besser? Weil dort Menschen sitzen, die anpacken, bevor das dreizehnte Antragsformular ausgefüllt ist. Meine internationalen Erfahrungen zeigen mir: Andere Länder sind nicht klüger, sie sind oft einfach nur mutiger im „Einfach-mal-Machen“.
In Schleswig-Holstein haben wir die besten Voraussetzungen: Wir sind sturmfest und erdverwachsen. Aber wir müssen lernen, dass ein Sprung ins Ungewisse besser ist als das sichere Verharren im Gestern.
Der Sprung: Was jetzt passieren muss
Wir brauchen eine neue politische Kultur der Machbarkeit. Das bedeutet:
Bürokratie-Diät: Prozesse radikal entschlacken, statt neue Hürden aufzubauen.
Fehlerkultur: Mut zum Experiment fördern, auch auf Landesebene.
Vertrauen: Den Kommunen mehr Beinfreiheit lassen.
Das Fazit: Es ist Zeit zu springen. Nicht kopflos, aber entschlossen. Denn wer immer nur wartet, bis der Wind perfekt steht, wird nie die Segel setzen.
Wie siehst du das? Haben Sie in Ihrem Ehrenamt oder Betrieb auch das Gefühl, wir verwalten uns zu Tode? Schreiben Sie mir eine Mail an [Deine Mail] oder diskutieren Sie mit mir auf Instagram unter meinem neuesten Post zum Thema „Mut zur Lücke“.
Orange Day – Gewalt gegen Frauen geht uns alle an
25. November 2025
Kategorie: Demokratie und Gesellschaft
Der heutige Orange Day erinnert uns an etwas, das es niemals geben dürfte: Gewalt gegen Frauen. Gewalt gegen Frauen ist leider Alltag. Auch in Deutschland. Auch bei uns in Schleswig-Holstein. Auch dort, wo man es nicht erwartet.
Warum dieser Tag wichtig ist
Gewalt gegen Frauen passiert nicht irgendwo – sie passiert überall. Sie passiert leise, sie passiert im Verborgenen, sie passiert mitten in unserer Gesellschaft.
Und sie passiert viel zu oft ohne Widerspruch.
Als Bürgermeister, als Mann, als Vater einer Tochter und als Ehemann sage ich klar: Das geht uns alle an. Jeden Einzelnen.
Was ich aus meiner Zeit als Polizist nie vergessen werde
Ich wurde zu vielen Einsätzen wegen häuslicher Gewalt gerufen. Die Einsatzadressen? Quer durch alle Bevölkerungs- und Einkommensgruppen. Häusliche Gewalt kennt keine Postleitzahl.
Ein Einsatz hat sich besonders eingebrannt: Ein Villenviertel. Die Frau hatte den Notruf gewählt. Als wir eintrafen, war der Mann verschwunden. Doch schon an der Tür ging es nicht mehr um das, was er ihr angetan hatte – sondern um seine Sorgen: Schulden, beruflicher Druck, psychische Belastung.
Sie sprach über seine Probleme – nicht über ihre Verletzungen. Diese Dynamik sieht man oft: Scham. Loyalität. Angst. Und das Gefühl, dass das eigene Leid weniger zählt. Was ich heute klar sagen möchte:
- Gewalt ist niemals eine Lösung.
- Gewalt ist niemals gerechtfertigt.
- Gewalt darf niemals relativiert werden.
Nicht durch Stress. Nicht durch Druck. Nicht durch persönliche Krisen. Punkt.
Als Mann sage ich eindeutig: Dieses Verhalten akzeptiere ich nicht – und kein Mann sollte das tun. Gleichzeitig gibt es vieles, was wir Männer tun können:
- Hinschauen, nicht wegsehen.
- Ansprechen, auch wenn es unbequem ist.
- Unterstützen, ohne zu urteilen.
- Respekt zeigen, immer und überall.
- Grenzen benennen, wenn andere sie überschreiten.
Es geht um Verantwortung – nicht erst dann, wenn es die eigene Tochter, Ehefrau oder Freundin betrifft.
Was ich mir für uns alle wünsche
Eine Gemeinschaft, in der Frauen sicher sind. In der Betroffene Schutz und Unterstützung finden. In der Respekt nicht eingefordert werden muss, sondern selbstverständlich ist.
Für den heutigen Orange Day wünsche ich mir, dass wir alle stets hinsehen, laut werden, Haltung zeigen. Heute – und an jedem anderen Tag.
Warum der Volkstrauertag für mich kein Pflichttermin ist...
16. November 2025
Kategorie: Demokratie und Gesellschaft
Wenn man Bürgermeister in einem kleinen Dorf ist, dann erlebt man viele Momente, die einen berühren – manche laut, viele leise. Der Volkstrauertag gehört für mich zu den leisen. Ein Tag, an dem man nicht nur eine Kranzniederlegung organisiert, sondern auch einmal tief durchatmet, innehält und sich fragt:
Was bedeutet Frieden eigentlich für mich ganz persönlich?
Ich habe mir diese Frage in den letzten Wochen häufiger gestellt – nicht theoretisch, sondern ganz praktisch, und fast schon unfreiwillig.
Vor eineinhalb Wochen ist eine langjährige Freundin der Familie gestorben. Sie hatte ein langes Leben hinter sich und war gesundheitlich gezeichnet – und trotzdem ist es dieser Moment, in dem man merkt, wie sehr ein Leben Spuren zieht. Und wie verletzlich wir sind.
Vor ein paar Tagen habe ich mich zudem an ein älteres Gemeindemitglied erinnert, das mir oft Geschichten aus seiner Jugend erzählt hat. Geschichten, in denen Männer zu Fuß ins Dorf zurückkehrten – heimkehrende Kriegsgefangene.
Keine Nachrichten, keine Handys, keine Updates im Minutentakt. Nur Menschen, die tagtäglich warteten und hofften, dass ihre Liebsten nach Hause kommen würden. Auf Väter, auf Söhne, auf Ehemänner. Und manchmal war das Warten vergeblich.
Diese Erzählungen treffen anders, wenn man sie nicht im Geschichtsbuch liest, sondern von jemandem hört, der dabei war. Dann wird einem klar: Hinter jedem Namen auf der Gedenktafel steckt ein Mensch. Mit einem Leben, einer Familie, Hoffnungen – und oft einem abrupten Ende.
Und dann ist da noch die Ukraine. Eine ehemalige Mitarbeiterin von mir lebt jetzt dort – freiwillig, mit ihrem Mann, der im Rahmen eines EU-Projekts Häuser aus Stroh baut. Klingt erstmal richtig spannend. Ist es aber nicht wirklich, wenn jeden Tag die Gefahr besteht, dass eine Rakete alles verändert.
Ihr Mut zeigt mir: Krieg ist keine Fußnote der Geschichte. Er ist Realität. Heute. In Europa.
Warum erzähle ich das?
Weil der Volkstrauertag für mich kein Pflichttermin ist. Sondern ein Tag, der mir deutlich macht, wie eng Leben und Verlust, Frieden und Verantwortung zusammenhängen.
Und weil ich jedes Jahr aufs Neue beeindruckt bin, wie viele Menschen in unserem Dorf diesen Gedanken teilen. Wenn Reservisten, der Chor, die Feuerwehr, Vertreterinnen und Vertreter unserer Gemeinde und Gäste zusammenkommen, dann zeigt das vor allem eines:
Frieden ist kein Zustand. Frieden ist eine Aufgabe. Und eine, die wir hier im Dorf
Tag für Tag mittragen.
Nicht mit großen Reden. Sondern mit Respekt. Mit Miteinander. Mit dem Gefühl: Wir passen aufeinander auf.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die ein kleiner Ort vermitteln kann: Die Welt wird nicht nur in Berlin, Brüssel oder Kiew besser – sondern auch da, wo Menschen bereit sind, füreinander einzustehen.
Der Volkstrauertag erinnert mich daran. Und ich bin dankbar, Bürgermeister einer Gemeinde zu sein, in der dieses Bewusstsein noch lebendig ist.
Mögen wir es uns bewahren.
Fokus
15. November 2025
Kategorie: Alltag eines Bürgermeisters
Ehrenamtliches Engagement ist für mich nicht nur Pflicht, sondern echte Leidenschaft. In den letzten Jahren durfte ich mich als 1. Vorsitzender in der Wählergemeinschaft Wakendorf (WGW) einbringen — Ideen vorantreiben, Projekte mitgestalten, Menschen zusammenbringen. Diese Arbeit hat mir unglaublich viel Freude bereitet und war eine wertvolle Möglichkeit, unsere Wählergemeinschaft aktiv mitzugestalten.
Bürgermeisteramt: Verantwortung und Chance
Gleichzeitig bin ich ehrenamtlicher Bürgermeister einer Gemeinde. Dieses Amt empfinde ich als große Verantwortung — aber ebenso als große Chance, direkt etwas zu bewegen. Die Herausforderung besteht darin, neben der Familie und dem Hauptjob noch den Vorsitz einer Wählergemeinschaft sowie das Bürgermeisteramt gleichzeitig zu managen. Möglich, ja — aber nur mit klarer Prioritätensetzung und Fokus.
Balance zwischen Engagement und Struktur
Studien zeigen: rund ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland engagiert sich neben dem Beruf ehrenamtlich. Gerade Leitungspositionen in Vereinen oder politischen Organisationen bringen jedoch hohe Anforderungen mit sich: Bürokratie, Entscheidungskompetenz, Zeit für Strategie. Über 77 % empfinden insbesondere die Bürokratie als sehr belastend - und das verstehe ich nur zu gut.
Deshalb ist es wichtig, das eigene Engagement realistisch einzuschätzen und Prioritäten bewusst zu setzen. Für mich bedeutet das, Energie dort einzusetzen, wo sie aktuell den größten Hebel für unsere Gemeinde entfaltet.
Den Vorsitz abgeben – für mehr Wirkung
Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, den Vorsitz der WGW abzugeben. Nicht, weil mir die Energie fehlt, sondern weil jetzt der Moment ist, den Fokus neu zu setzen. Ich möchte meine ganze Kraft in das Bürgermeisteramt stecken, um dort möglichst effektiv und langfristig zu wirken. Gleichzeitig übergebe ich in die Hände engagierter Menschen, die die Gemeinschaft mit gleicher Leidenschaft weiterführen — und das mit einem noch stärkerem Blick auf die Vorstandsarbeit.
Kein Abschied – sondern ein Weiterdenken
Dieser Schritt ist kein schleichender Abschied vom Ehrenamt. Im Gegenteil: Es ist ein Weiterdenken. Weg von der Dreiteilung zwischen Beruf, Parteiarbeit und Bürgermeisteramt, hin zu einer klaren Struktur, in der ich dort wirke, wo ich aktuell den größten Unterschied machen kann.
Ich bin überzeugt: Mit diesem klaren Fokus können wir gemeinsam in den nächsten Jahren noch viel bewegen und unsere Gemeinde weiterhin positiv gestalten.
Zwischen Idealismus und Realität
1. November 2025
Kategorie: Alltag eines Bürgermeisters
Es ist später Nachmittag. Draußen wird es schon dunkel, es wird merklich kälter, und man merkt: Der Winter steht vor der Tür.
Ein guter Moment, um einmal innezuhalten und nachzudenken – über die vergangenen Wochen, über unsere Gemeinde und über einen Artikel, der mir heute besonders im Kopf geblieben ist: „Ehrenamt am Limit“ im Behörden Spiegel.
Ein treffender Titel. Denn das Ehrenamt steht tatsächlich unter Druck – und zwar gewaltig.
Die Lücke
Ob DRK, Feuerwehr oder Chor – überall höre ich das Gleiche: „Wir finden keine Leute mehr, die sich stärker engagieren wollen.“ Und wer noch dabei ist, trägt oft doppelt so viel Verantwortung wie früher.
Es sind die gleichen Gesichter, die bei jeder Veranstaltung mit anpacken, während rundherum die Zahl der Freiwilligen kleiner wird. Manche Vereine haben zwar noch genug Mitglieder, aber kaum jemand will Verantwortung im Vorstand übernehmen. Andere finden insgesamt nur schwer neue Mitglieder.
Diese Entwicklung sehe ich auch bei uns in der Gemeinde – und sie bereitet mir ehrlich gesagt Sorgen.
Die Ursache
Die Gründe sind vielfältig. Zeit ist knapp, Familie und Beruf fordern ihren Platz.
Dazu kommt, dass Vereinsstrukturen oft noch so funktionieren wie vor 30 Jahren: regelmäßige Treffen, feste Mitgliedschaften, Vorstandssitzungen.
Für viele Menschen, gerade Jüngere, ist das schwer vereinbar mit einem flexibleren Lebensstil.
Ich höre oft: „Ich würde ja gerne helfen, aber ich kann mich nicht dauerhaft binden.“
Gleichzeitig dürfen wir die strukturellen Probleme nicht übersehen: Finanznöte, Modernisierungsstau in der Infrastruktur, Überregulierung und gesellschaftliche Spannungen erschweren Engagement oft zusätzlich.
Wenn Vereine oder Initiativen mehr Zeit mit Formularen als mit Menschen verbringen, läuft etwas falsch.
Ein gutes Beispiel
Genau deshalb schätze ich unseren Bürgerverein so sehr. Dieser ist gut organisiert, ja – aber vor allem offen. Menschen müssen dort nicht zwingend Mitglied sein, um mitzumachen.
Sie können sich für Projekte melden, die ihnen am Herzen liegen: beim Dorffest helfen, bei der Pflege öffentlicher Flächen, bei Aktionen für Kinder oder Senioren.
Das ist für viele attraktiver als eine feste Verpflichtung – Engagement auf Zeit, aber mit Wirkung.
So schaffen wir es, Menschen einzubinden, die sich sonst vielleicht gar nicht engagieren würden.
Anders denken
Ich glaube, wir müssen das Ehrenamt neu denken. Weg vom klassischen Vereinsmodell mit Sitzungen und Ämtern, hin zu einer Projektkultur des Mitmachens.
Wichtig ist, dass wir die Hürden senken und die Freude am Engagement wieder spürbar machen.
Wer sich freiwillig einsetzt, darf nicht das Gefühl haben, ein Formularmarathon zu absolvieren.
Die Lösung
Ehrenamt braucht Anerkennung – aber auch Flexibilität. Es ist an uns in der Kommunalpolitik, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich Menschen mit ihren Fähigkeiten einbringen können, ohne gleich eine Verpflichtung einzugehen.
Manche helfen gerne einmal im Jahr, andere jede Woche. Beides ist wertvoll.
Was es braucht, ist klar: Förderung, klare Zuständigkeiten, digitale Verfahren, zentrale Ansprechpersonen – und vor allem verlässlichen politischen Rückhalt.
Nur so kann Ehrenamt wachsen, statt sich in Bürokratie zu verlieren.
Ein Blick nach vorn
Ich bin überzeugt: Das Ehrenamt wird bleiben – nur anders. Weniger formell, dafür vielfältiger.
Wenn wir es schaffen, diese Vielfalt zuzulassen, kann daraus neue Stärke entstehen.
Denn am Ende lebt unsere Gemeinschaft nicht von dem, was sie fordert, sondern von dem, was sie bereit ist zu geben.
Ich wünsche uns allen einen guten Abend – und vielleicht einen kleinen Moment, um den vielen Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern um uns herum "Danke" zu sagen.
Wenn die Ränder wachsen – und die Mitte bröckelt
23. Oktober 2025
Kategorie: Demokratie und Gesellschaft
Neulich hatte ich auf dem Weg zur Verbandsversammlung des Wegezweckverbands in Großenaspe mal wieder Zeit für Podcasts – und bin bei einer neuen Folge von ZEIT WISSEN hängen geblieben 👉 „Was die Wissenschaft über den Rechtsruck weiß“
Darin geht es um ein Thema, das uns gerade überall begegnet – sei es in Deutschland, Europa oder den USA: die politische Landschaft rückt nach rechts. Und zwar nicht nur in den Schlagzeilen, sondern ganz real in den Köpfen vieler Menschen.
Spannend fand ich besonders den Teil, der sich mit folgendem Widerspruch beschäftigt: die AfD rückt inhaltlich immer weiter nach rechts, radikalisiert sich sichtbar – und vergrößert gleichzeitig ihre Wählerschaft. Wie kann das sein? Wie kann eine Partei, die sich programmatisch klar von demokratischen Grundwerten entfernt, gleichzeitig Menschen aus der Mitte ansprechen?
Ein Blick in die Daten zeigt: Viele, die heute AfD wählen, sind unzufrieden – mit der Politik, mit der wirtschaftlichen Lage. Und: Es gibt eine starke Ablehnung von Einwanderung. Gleichzeitig haben viele Menschen das Gefühl, dass sie nicht wahrgenommen werden. Man kann dem zustimmen oder nicht. Leider deckt sich das jedoch mit dem, was ich als Bürgermeister oft höre: „Die da oben verstehen uns nicht.“ Dieser Satz fällt häufiger, als man denkt – und er verrät viel über die Stimmung in Teilen unserer Gesellschaft.
Ein Blick ins Strategiepapier – das „Wie“ hinter dem Erfolg
Wer sich fragt, ob hinter dem Erfolg der AfD eine Strategie steckt: ja, tut es. Und sie liegt offen auf dem Tisch – oder besser gesagt, im Netz. Und sie sollte uns zu denken geben. Im Juli wurde auf einer internen Klausurtagung der Bundestagsfraktion der AfD das 55-seitige Strategiepapier vorgestellt 👉 AfD-Strategiepapier 2025 (PDF)
Das Ziel ist klar formuliert: „Alice ins Kanzleramt.“ Und das Papier zeigt deutlich, worum es geht: Das Image aufpolieren, ohne den Inhalt zu ändern. Man will „bürgerlich“ wirken, neue Wählergruppen gewinnen – und gleichzeitig die CDU/CSU gezielt an sich heranführen, um die berühmte „Brandmauer“ zum Einsturz zu bringen.
Kulturkampf, Medien und Empörung
Der ZEIT-Podcast geht noch einen Schritt weiter: Ist dieser Rechtsruck vielleicht auch ein Kulturkampf zwischen Gebildeten und weniger Gebildeten? Eine Art Rebellion gegen „die da mit dem Studium“, gegen Eliten, gegen eine Sprache, die man nicht mehr versteht?
Ich kann das in Teilen nachvollziehen. In meinem Alltag als Kommunalpolitiker und Ehrenamtler höre ich oft das Bedürfnis nach Einfachheit, Klartext und Ehrlichkeit – und auch das Misstrauen gegenüber Medien, Politik, manchmal sogar gegenüber Fakten selbst.
Darum fand ich es wohltuend, dass der Podcast auch die Rolle der Medien hinterfragt:
ob klassische oder soziale – sie springen oft auf emotionale Themen auf, verstärken Empörung und treiben damit (größtenteils) ungewollt die Polarisierung weiter. Mir persönlich fehlt da manchmal die sachliche Auseinandersetzung, die wir für unsere Demokratie so dringend brauchen.
Mein Fazit
Ich glaube: Wir brauchen mehr Debatte – aber weniger Drama. Mehr Argumente – aber weniger Empörung.
Denn genau das stärkt am Ende diejenigen, die laut sind, aber keine Lösungen haben.
Michelle Obama sagte einmal: „When they go low, we go high.“ Vielleicht sollten wir das auch hier häufiger beherzigen.
Ich wünsche uns allen einen schönen Abend mit klaren Gedanken – und vielleicht einem Podcast, der zum Nachdenken anregt.
Warum Deutschland Dorfschulen braucht
12. Oktober 2025
Kategorie: Herausforderungen in Gemeinden
Wenn ich mir eine Dorfschule vorstellen müsste, dann wahrscheinlich die bei uns im Dorf. 1875/76 gebaut, ein denkmalgeschütztes Gebäude, rote Backsteine, die Geschichten erzählen. Jeder kennt jeden – Eltern, Lehrkräfte, Kinder, Nachbarn. Hier wird nicht nur gelernt, hier wächst Gemeinschaft.
Ich habe drei Kindern dabei zugeschaut, wie sie langsam erwachsen werden und unsere Schule als Identifikation begreifen. Noch heute erinnere ich mich, wie ich von der Auffahrt unseres Hauses hinunterblicke: ein kleiner Kindskopf, ein zu großer Ranzen – und jeden Tag eine kleine Abenteuerreise durch das Dorf bis zur ersten Stunde. Solche Momente zeigen mir, wie lebendig Schule hier ist – ein Ort, an dem Kinder gerne lernen und ihre ersten Schritte in die Welt machen.
Und doch stehen kleine Schulen unter Druck. Im kommenden Schuljahr unterrichten bei uns drei Lehrerinnen vier Klassen. Auf dem Papier reicht das. In der Praxis bedeutet es: vier Jahrgänge, drei Lehrkräfte, kein Puffer.
Das Planstellenverfahren des Landes zählt Schülerzahlen, nicht Realität. Die Anforderungen steigen. Immer mehr Schülerinnen und Schüler brauchen individuelle Unterstützung – körperlich, geistig oder sozial-emotional. Schulbegleitungen helfen, doch Lehrkräfte müssen Nähe, Zeit und Kontinuität geben. Genau das wird in großen Berechnungen nicht abgebildet. Bildung kostet Geld – und das ist gut investiert.
Die wahren Folgen unzureichender Bildung erkennt man oft erst Jahre später. Wer heute am Personal spart, zahlt morgen in Form von Bildungsdefiziten, geringeren Chancen und fehlender Perspektive für junge Menschen.
Deshalb gehen wir in Wakendorf neue Wege: Politik, Ehrenamt, Schule und Verwaltung arbeiten eng zusammen. Die Räumlichkeiten wurden so gestaltet, dass Gruppen- und Einzelarbeit möglich sind – und vor allem jahrgangsübergreifendes Lernen. Flexibilität statt Frust. Zusammenarbeit statt Zuständigkeitsgrenzen.
Der NDR war vor Ort, um zu zeigen, wie wir diese Herausforderung meistern – gemeinsam mit der Schulleiterin, dem Kollegium, Betreuungskräften und Schulbegleitung, dem Schulverein und den Schülerinnen und Schülern. Es ist kein einfacher Weg, aber er zeigt, was möglich ist, wenn ein Dorf zusammenhält.
Dorfschulen sind kein Auslaufmodell. Sie sind das Herz des ländlichen Raums – Orte der Nähe, der Identität, der Mitverantwortung. Wenn Bildung gerecht sein soll, dann muss sie überall funktionieren – nicht nur dort, wo viele Menschen leben.
Ich wünsche uns allen, dass wir den Mut und die Kraft finden, unsere ländliche Strukturen weiterhin zu stärken. Deutschland braucht Dorfschulen, weil sie zeigen, wie Bildung von unten wächst: mit Herz, Verstand und Gemeinschaft.
Rettet die Wurst...
08. Oktober 2025
Kategorie: Demokratie und Gesellschaft
Kleine Überraschung vorweg: ich war Polizist, bin Kommunalpolitiker – und esse seit 27 Jahren kein Fleisch. Und ich lebe trotzdem noch.
Eine kleine Anekdote vom Grill
Ein guter Freund von mir – kein Vegetarier, aber bemüht – wollte mir vor einigen Jahren beim Grillen mal was Gutes tun. Also ging er zu Rewe und fragte:
„Haben Sie etwas Vegetarisches?“
Die Verkäuferin überlegte kurz, griff ins Regal und holte eine Packung Torfstecher von Meica hervor.
Er grinste und fragte: „Und was ist da wohl drin?“
Daraufhin sie, völlig ernst: „Na, was wohl – Torf.“
Rettung naht
Wenn also jemand das Bedürfnis gehabt hätte, mich oder wen auch immer vor einer möglichen Verwechslung zwischen echter Wurst und Veggie-Wurst zu schützen – dann hätte man hierzu schon früher Zeit gehabt.
Aber nein, das Europäische Parlament diskutiert nun am 8.10.2025 ernsthaft, ob Begriffe wie Wurst, Burger oder Schnitzel künftig nur noch verwendet werden dürfen, wenn auch tatsächlich Fleisch drin ist. Mein Problem mit der ganzen Sache ist, dass diese Initiative um neue Namen für Veggie-Produkte niemanden schützt, aber wieder mal Bürokratie, Kosten und Kopfschütteln produziert – ganz ohne echten Mehrwert.
Da frag ich mich: Hat man in Brüssel eigentlich sonst gerade nichts zu tun?
Ein kurzer Blick über den Tellerrand
Ich weiß, bei der Polizei (früher) mochte ich die Frage nie, ob man "nichts Besseres zu tun hat". Aber diesmal muss ich sie einfach selbst stellen – in Richtung Europäisches Parlament: Haben wir wirklich nichts Wichtigeres zu besprechen als die Namen vegetarischer Würste, wenn…
- in der Ukraine immer noch Krieg herrscht und Europa vor massiven sicherheitspolitischen Herausforderungen steht,
- Energiepreise und Inflation vielen Menschen das Leben schwer machen,
und
- die Klimakrise eigentlich unsere volle Aufmerksamkeit bräuchte?
Mein Fazit
Ich gönne jedem Parlament auch mal leichtere Kost zwischen all den Krisen.
Aber vielleicht sollte man sich dann lieber auf vegane Kekse statt vegane Würste einigen – die sorgen seltener für Verwirrung.
In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen einen Tag ohne große Verwechslung – weder auf dem Teller noch im Kopf.
Genug geredet - Deutschland muss moderner werden
03. Oktober 2025
Kategorie: Zukunft der Gemeinden
Die Bundesregierung hat große Worte gefunden: „Staatsmodernisierung“ klingt nach weniger Formularen, mehr Tempo und einem Hauch Silicon Valley. Klingt gut – aber wer schon mal einen Förderantrag gestellt hat, weiß: da liegt noch einiges an Arbeit vor uns...
Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in Schleswig-Holstein habe ich bei der Beantragung von Fördermitteln manchmal das Gefühl, wir bewerben uns bei „Deutschland sucht den Superantrag“. Dutzende Seiten, jede Menge Vorgaben, und Checklisten, die länger sind als so mancher Beschluss unserer Gemeindevertretung. Und am Ende fragt man sich: geht es hier noch um das Projekt – oder um das richtige Setzen von Häkchen?
Nicht besser wird es bei unserem Wasserwerk oder Klärwerk: neue Vorschriften trudeln regelmäßig ein, jede einzelne mit dem freundlichen Hinweis „zur Vereinfachung“ oder "Verbesserung der Versorgung". In Wahrheit heißt das für unsere Gemeinde: mehr Kosten, mehr Dokumentation - und die schützt nur leider keine Menschen, sondern sorgt nur für dickerer Objektordner. „Schlanker Staat“ klingt da ungefähr so realistisch wie „Sommer in Norddeutschland – garantiert trocken“.
Aber, damit kein falscher Eindruck entsteht: es gibt Fortschritte. In der Kommunalpolitik fangen wir langsam mit dem Versand elektronischer Sitzungsunterlagen an, im Amt werden digitale Akten geführt und in 2026 hoffe ich auf die ersten hybriden Sitzungen der Gemeindevertretung. Und wir sehen: das spart Papier, Zeit und manchmal sogar Nerven. Nur: solange Bürgerinnen und Bürger bei verschiedenen Verwaltungsakten immer noch eine Vielzahl an Formularen per Hand ausfüllen müssen, bringt uns die schönste „digitale Agenda“ wenig.
Und genau das spüre ich vor Ort: Viele Menschen kommen direkt auf uns Kommunalpolitikerinnen und -politiker zu, weil sie mit den Prozessen der öffentlichen Verwaltung überfordert sind. Statt eines einfachen Klicks im Online-Portal gibt’s oft noch den Hinweis: „Bitte x Kopien in Papierform - mit Unterschrift.“ Da helfen dann auch die schönsten Absichtserklärungen in der Villa Borsig nicht weiter.
Mein Fazit: die Modernisierungsagenda ist wichtig – aber sie darf nicht in der Bundespressekonferenz stecken bleiben. Wir brauchen einen Staat, der nicht nur „schnell, digital und handlungsfähig“ klingt, sondern es auch im Alltag spürbar ist. Vor allem bei uns vor Ort – dort, wo die Verwaltung den Bürgerinnen und Bürgern wirklich begegnet.
Also bitte: weniger Ankündigungen, mehr Vereinfachung. Sonst bleibt vom großen Modernisierungsversprechen nicht viel übrig – außer einem noch dickeren Ordner im Gemeindebüro.